Die zunehmende Zahl an Flugreisenden nach Spanien führt zu einem spürbaren Anstieg der Mietpreise in den besonders vom Tourismus abhängigen Regionen des Landes. Eine aktuelle Studie von Transport & Environment (T&E) und der New Economics Foundation (NEF) prognostiziert, dass die Mieten bis zum Jahr 2031 im Durchschnitt um rund 217 Euro jährlich steigen könnten. Diese Entwicklung ist maßgeblich auf ein erwartetes Wachstum des Flugtourismus von 11,8 Prozent zwischen 2026 und 2031 zurückzuführen.
Die Studie beziffert den Einfluss des Luftverkehrs auf den Immobilienmarkt: Die durchschnittlichen Hauspreise könnten dadurch um etwa 3.500 Euro steigen, was sich auf die Mieten mit einem Plus von 1,6 Prozent jährlich niederschlägt. Die prognostizierte Erhöhung von 217 Euro entspricht einer monatlichen Mehrbelastung von etwas mehr als 18 Euro. Dabei handelt es sich nicht um eine jährliche Steigerung, sondern um den zusätzlichen Betrag, der 2031 im Vergleich zu einem Szenario ohne das prognostizierte Tourismuswachstum fällig wäre.
Auf ganz Spanien bezogen summiert sich die Mehrbelastung für Mieter auf 648 Millionen Euro jährlich. Regionale Unterschiede sind jedoch erheblich: Auf den Balearischen Inseln kommen auf jeden Einwohner durchschnittlich 9,2 ausländische Touristen, auf den Kanarischen Inseln 4,9 und in Katalonien 2, was deutlich über dem EU-Durchschnitt von 0,9 liegt. Diese Regionen sind daher besonders stark von den Mietpreissteigerungen betroffen.
Die Studie stützt sich auf Erkenntnisse, wonach Mieten in Spanien typischerweise 70 bis 80 Prozent der Wertsteigerung von Immobilien widerspiegeln. Während der Kaufmarkt volatil sein kann, steigen Mieten in der Regel kontinuierlich an. Parallel zu dieser Entwicklung plant der staatliche Flughafenbetreiber Aena umfangreiche Investitionen von rund 13 Milliarden Euro zwischen 2027 und 2031, darunter die Erweiterung des Flughafens Barcelona-El Prat mit einer Kapazitätssteigerung von derzeit 55 auf 80 Millionen Passagiere jährlich bis 2033. Auch der Flughafen Madrid-Barajas soll mit einem Investitionsvolumen von vier Milliarden Euro ausgebaut werden.
Diese Ausbaupläne stoßen auf Widerstand in der Bevölkerung, wie die größte Anti-Tourismus-Demonstration auf Mallorca im Juli 2026 zeigt, bei der zehntausende Menschen gegen die Flughafenerweiterungen protestierten. Kritiker bezweifeln zudem, dass die Investitionen vor allem der Geschäftsanbindung dienen, da die Nachfrage nach Geschäftsreisen in den letzten Jahren durch digitale Meetings zurückgegangen ist. Stattdessen profitieren vor allem touristische Destinationen von den steigenden Passagierzahlen.
Ökonomische Analysen legen nahe, dass die durch den Tourismus bedingten Mietpreissteigerungen wirtschaftliche Nebenwirkungen haben können, indem sie Investitionen in anderen Bereichen der Wirtschaft behindern. So könnten jährlich etwa eine Milliarde Euro an verlorenen Investitionen entstehen. Auch die seit 2023 bestehende digitale Nomadenvisa-Regelung bringt zwar Steuereinnahmen, hat aber möglicherweise ebenfalls einen preistreibenden Effekt auf den Wohnungsmarkt.
Ohne ein entschiedenes politisches Eingreifen, insbesondere durch den Ausbau von sozialem und bezahlbarem Wohnraum, wird es nach Einschätzung von Experten schwierig, den Trend steigender Mieten zu stoppen. Selbst Mietpreisdeckelungen können begrenzt wirksam sein, da bei neuen Verträgen häufig höhere Preise verlangt werden und Mieter aufgrund der Angst, ihre günstige Wohnung zu verlieren, seltener umziehen.
Spanien rangiert damit unter den untersuchten Ländern an zweiter Stelle bei den prognostizierten Mietsteigerungen und an dritter Stelle beim Wachstum des Tourismusaufkommens. Für Bewohner, Urlauber und Auswanderer in den stark vom Tourismus geprägten Gebieten der Costa del Sol und anderen Regionen bedeutet dies eine zunehmende finanzielle Belastung bei der Wohnungssuche und im Alltag. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie Politik und Markt auf diese Herausforderungen reagieren.
Quelle: euroweeklynews.com
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