Der Chefarzt der Pneumologie am Hospital Clínico Universitario Virgen de la Victoria, José Luis Velasco, warnt, dass in Spanien rund 70% der Fälle von chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) nicht diagnostiziert werden. Er fordert eine frühzeitige Erkennung und weist auf die gesundheitlichen Risiken des Dampfens hin.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 70% der COPD-Fälle in Spanien bleiben unentdeckt.
- Die Hauptursache der COPD ist in über 90% der Fälle Tabakkonsum.
- Früherkennung ist entscheidend, da spätes Diagnostizieren irreversible Lungenschäden bedeutet.
- Dampfprodukte (Vaping) sind nicht harmlos und können Lungenschäden verursachen.
- Weitere unterdiagnostizierte Lungenerkrankungen sind diffuse interstitielle Erkrankungen und Lungenfibrose.
Unsere Einordnung
Gerade für ältere Residenten und ehemalige Raucher an der Costa del Sol ist die hohe Zahl unerkannter COPD-Erkrankungen relevant. Atemnot beim Treppensteigen oder Spazierengehen, chronischer Husten und eine nachlassende Belastbarkeit sollten nicht automatisch mit dem Alter oder mangelnder Kondition erklärt werden.
Wer im öffentlichen andalusischen Gesundheitssystem versichert ist, kann sich zunächst an seinen Hausarzt im zuständigen Centro de Salud wenden. Bei einem COPD-Verdacht gehört die Spirometrie zu den wichtigsten Untersuchungen. Je nach Befund kann anschließend eine weitere Betreuung oder Überweisung zur Pneumologie erfolgen.
Auch ehemalige Raucher sollten länger anhaltende Beschwerden abklären lassen. Entscheidend ist nicht nur, ob jemand aktuell raucht, sondern auch die Belastung durch Tabakkonsum in der Vergangenheit.
Wann sollte man die Lunge untersuchen lassen?
Wer über längere Zeit unter Atemnot bei Belastung, chronischem Husten oder regelmäßigem Auswurf leidet, sollte diese Beschwerden nicht einfach auf das Alter oder mangelnde Kondition zurückführen. Das gilt besonders für aktuelle und ehemalige Raucher.
Zur Abklärung einer möglichen COPD gehört eine Spirometrie. Bei diesem Lungenfunktionstest wird unter anderem gemessen, wie viel Luft ausgeatmet werden kann und wie schnell dies geschieht. In Andalusien gehört die Untersuchung auch zur Versorgung in der Atención Primaria, der hausärztlichen Grundversorgung.
Gerade eine langsam zunehmende Atemnot kann leicht übersehen werden. Manche Betroffene passen ihren Alltag unbewusst an, gehen langsamer, vermeiden Treppen oder reduzieren körperliche Aktivitäten. Dadurch fällt die zunehmende Einschränkung zunächst weniger auf.
Hoher Anteil unerkannter COPD-Fälle in Spanien
Der Pneumologe José Luis Velasco schätzt den Anteil der nicht diagnostizierten COPD-Fälle in Spanien auf etwa 70%, basierend auf epidemiologischen Studien. Viele Patienten schränken ihre Aktivitäten wegen Atemnot ein, ohne dass die Erkrankung erkannt wird. Symptome wie Luftnot, chronischer Husten und Erschöpfung werden oft anderen Ursachen wie Alter, Übergewicht oder Rauchen zugeschrieben.
Ursachen und Symptome der COPD
Die COPD erschwert dauerhaft den Luftstrom in den Lungen und steht in über 90% der Fälle im Zusammenhang mit Tabakkonsum. Typische Symptome sind Atemnot bei Anstrengung, chronischer Husten, Auswurf, pfeifende Atmung und Müdigkeit. Die Erkrankung führt dazu, dass Betroffene ihre Aktivitäten reduzieren, um Atemnot zu vermeiden, was eine späte Diagnose begünstigt.
Früherkennung und Risiken
Velasco betont, dass eine späte Diagnose den Handlungsspielraum einschränkt, da bereits irreversible Lungenschäden vorliegen. Tabak bleibt der wichtigste Risikofaktor, der auch das Risiko für Lungen-, Kehlkopf- und Magenkrebs sowie plötzlichen Tod erhöht. Er warnt zudem vor den Gefahren des Vapings, das fälschlicherweise als ungefährlich gilt, obwohl die WHO das Gegenteil betont. Erste Daten zeigen Lungenschäden und Funktionsstörungen, wobei viele Jugendliche bereits im Alter von 12 bis 13 Jahren mit dem Dampfen beginnen.
Weitere unterdiagnostizierte Lungenerkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten
Neben COPD nennt Velasco auch diffuse interstitielle Lungenerkrankungen und Lungenfibrose als häufig unterdiagnostiziert. Diese Erkrankungen zeigen sich durch trockenen Husten und Belastungsdyspnoe und führen zu irreversiblen Lungennarben. Er fordert Programme zur Früherkennung von Lungenkrebs, ähnlich denen für Brust- oder Darmkrebs, und verweist auf Studien zur Kostenwirksamkeit solcher Screenings. Zudem hebt er hervor, dass personalisierte Medizin mit biologischen Therapien und neuen Medikamenten wie Mepolizumab und Dupilumab auch bei Atemwegserkrankungen Einzug hält.
Quelle: malagapress.com
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