Spanien hat am 12. August 2026 ein nationales Pfand-, Rückgabe- und Erstattungssystem (SDDR) für Einweg-Getränkeverpackungen eingeführt. Für alle berechtigten Flaschen und Dosen wird ein Pfand von zehn Cent erhoben. Wer das Getränk kauft, zahlt diesen Betrag zusätzlich und kann ihn durch Rückgabe der leeren Verpackung zurückerhalten. Das Ziel ist, die Menge an weggeworfenen Getränkebehältern in der Umwelt zu reduzieren und das Recycling zu fördern.
Diese Änderung könnte jedoch eine unerwartete Folge haben: Weggeworfene Dosen und Flaschen könnten künftig verstärkt gesammelt werden, da der Müll nun einen Geldwert besitzt. Während bisherige Getränkebehälter, die in Mülleimern oder an Stränden zurückgelassen wurden, als gewöhnlicher Abfall galten, sind sie jetzt potenziell bares Geld wert. Das dürfte insbesondere in touristisch stark frequentierten Gebieten wie der Costa del Sol, in Strandnähe, an Promenaden sowie in der Nähe von Bars und Restaurants spürbar sein.
Erfahrungen aus Ländern wie Deutschland, wo ein ähnliches Pfandsystem seit Langem existiert, zeigen, dass Menschen dort regelmäßig Flaschen und Dosen aus öffentlichen Müllbehältern oder von der Straße sammeln, um das Pfand einzulösen. Dieses sogenannte Pfandsammeln ist Teil des Recyclingkreislaufs und kann auch eine Einkommensquelle darstellen. In Deutschland ist es üblich, Flaschen neben Mülleimern abzustellen, damit andere sie abholen können, anstatt sie in den Restmüll zu werfen.
Ob sich eine vergleichbare Praxis in Spanien durchsetzt, hängt davon ab, wie leicht die Rückgabe der Behälter möglich sein wird und wie streng die Anforderungen an deren Zustand sind. Ähnlich wie in Irland, wo ein Pfandsystem seit 2024 gilt, müssen die Verpackungen leer, unbeschädigt und mit dem entsprechenden Pfandlogo versehen sein, damit die Rückgabe funktioniert. Stark zerdrückte oder beschädigte Flaschen und Dosen könnten vom Rückgabesystem ausgeschlossen sein. Somit ist nicht garantiert, dass alle gefundenen Behälter auch wirklich einen Pfandwert haben.
Die Einführung des Pfandsystems könnte für verschiedene Gruppen relevant sein. Neben einzelnen Sammlern, die sich durch das Aufsammeln von Flaschen und Dosen ein kleines Einkommen sichern, könnten auch gemeinnützige Organisationen oder Schulen das System nutzen, um durch die Sammlung der Behälter Spenden zu generieren, wie es bereits in Irland der Fall ist.
Für die kommunalen Abfallentsorgungsdienste bedeutet das Pfandsystem eine Veränderung: Wertvolle Getränkebehälter könnten vor der Abholung aus den Haushaltsabfällen entfernt werden. Das verringert den Anteil wertvoller Recyclingmaterialien im Restmüll, was einer der intendierten Effekte des Pfandsystems ist. Diese Entwicklung wird insbesondere in touristischen Regionen wie der Costa del Sol beobachtet werden, wo die Menge an weggeworfenem Plastik und Aluminium in den Sommermonaten traditionell hoch ist.
Die genaue Umsetzung und die technischen Details des spanischen Systems, insbesondere wie Rücknahmeautomaten mit beschädigten oder nicht erkennbaren Verpackungen umgehen, stehen noch aus. Ebenso bleibt abzuwarten, wie sich das Verhalten der Bevölkerung und der informellen Sammlergruppen entwickelt. Klar ist, dass das Pfandsystem nicht nur ökologische Effekte haben wird, sondern auch das Stadtbild und die Art der Müllentsorgung in Spanien nachhaltig verändern kann.
Quelle: euroweeklynews.com
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